Subjektiv // Gepäckbeförderung // Transforming Insecurities – Unsicherheiten teilen

Die Gepäckbeförderung begleitete das Grandhotel in den letzten Wochen beim Teilen von Unsicherheiten. Zu verschiedenen Gelegenheiten wurden Räume geschaffen, in denen etwas  darüber erfahren wurde, warum wir im Grandhotel sind und wie wir uns hier fühlen.


 

»Ich verfolge die Nachrichten der vergangenen Tage und es dauert eine Zeit, bis ich irgendetwas empfinde.
In meinem Kopf vermengen sich Dialogkonzepte
mit den Berichten über allgegenwärtige Bedrohungen unserer ‚zivilen‘ Sicherheit.

Abstrakte Konzepte, abstrahiert von ihren dazugehörenden, bewegenden Emotionen.

Weit entfernt davon zu wissen, was ursprünglich dieses Gefühl von Unsicherheit auslöste, laufe ich immer wieder Gefahr, es nicht ernst nehmen zu wollen, es weit weg von meinem Bauch in den Kopf zu drängen, wo die diffuse Angst durch den intellektuellen Fleischwolf gedreht, in eine mir bekannte Form gebracht, schließlich aushaltbar wird. Jetzt fühle ich mich wieder sicher, weil ich meine zu verstehen, was ich erlebe und damit bestätige, warum die Welt so für mich ist, wie ich sie zu sehen gewöhnt wurde.«

Was bewegt Unsicherheiten, wohin und was passiert da?

Astarte Posch ist in Kapstadt Menschen begegnet, die sich sichere Räume für sich und ihre Umgebung zurück erobert haben. In einer Stadt, in der Mauern wie oft dem Erhalt der eigenen Ängste dienen. Ihre Fotografien zeigen »Moderne Superhelden« keine Charity Maker, Menschen die nicht nur für den Erhalt ihrer eigenen Komfortzone kämpfen, und nicht solche, die zu hilflosen Helfenden werden. Xolisa, Christina oder Sibusiso sind Menschen, deren Liebe kein exklusives Gut ist und die – ihre Qualitäten erkennend – konstruktiv an einem gesellschaftlichen Wandel arbeiten. In den Geschichten der Menschen erfahre ich, wie in der ehrlichen Auseinandersetzung mit den zu eigen gemachten, in Kapstadt allgegenwärtigen und doch wenig lokalisierbaren Unsicherheiten ein kreatives, veränderndes Potenzial frei gesetzt wird.

In den vergangenen Wochen hatten Interessierte im Kontext der Ausstellung TRANSFORMING INSECURITIES die Gelegenheit, emotionale Räume zu erweitern und den Abschiedsprozess ihrer eigenen Unsicherheiten einzuleiten:

WANN BAUST DU MAUERN? WIE FÜHLST DU DICH SICHER?

»In sicheren Räumen begegnen wir uns gefühlt mal wieder mit Zeit, sitzen nahe beieinander und unsere Gespräche entsprechen dem, was jede*n gerade bewegt. Wir hören Menschen sprechen, von denen wir nicht viel wissen und die wir trotzdem versuchen einzuordnen, um sich bei allem Streben nach ‚Gleichheit‘ und ‚Augenhöhe‘ in Abgrenzung zu dem anderen doch noch eine eigene Bedeutung zu bewahren.«

Wie können wir – als Gesellschaft und jede*r für sich als Teil davon – diese Ängste überwinden?

Die Gepäckbeförderung war unterwegs und hat in Gesprächen und Bildern zu den existenten Unsicherheiten derer geforscht, die im Grandhotel arbeiten oder gerne hier arbeiten wollen. Menschen, die das Grandhotel mit zu dem machen, was es gegenwärtig ist.
Welche Energien werden frei gesetzt, wenn du dich mitteilst, Gepäck ablegst und Interesse an dir als Mensch erfährst? Wie können wir jemanden zuhören, ohne ihn zu bewerten? Wie lernen wir, Kritik zu äußern, die nicht gegen den Menschen an sich geht, sondern seine systemische Eingebundenheit beleuchtet?

Am Feuer erzählt Rasha von einem Traum, der für sie als Bild ihrer eigenen Unsicherheiten im Inneren des Grandhotels steht:

»We were all in a big bus, travelling together, suddenly, we were driving
in parallel to spectacular place, beautiful magnificent nature, colorful, bright, full of green in many levels,
also beautiful blue waterfalls.

I was amazed and surprised, and started to express that  ‚oh wow, this is amazing,
I never saw such a thing in my life‘

Georg replied: ‚Ah, you don’t know this place?! It’s very well known,
almost everybody knows about this place‘
Me: ‚No, I didn’t know that there is such place here, and very close to us‘

We kept driving and I was staring at the place trying to find a way to go there,
then I asked: ‚How can we go there?‘
The place was floating in the air, Georg said: ‚Yeah, there is no access to this place’«

Wie können Zugänge zum gemeinsamen Arbeiten im sozialen Organismus erweitert werden?

Die Gepäckbeförderung gestaltet Gelegenheiten zur gemeinsamen und eigenen Reflexion über das Arbeiten im Grandhotel und schafft Räume, in denen das, was jede*n bewegt, öffentlich gemacht werden kann. Die Idee ist, die einzelnen Perspektiven der Menschen, die diesen Ort bespielen, partizipativ an verschiedenen Stellen sichtbar zu machen und sie in einer gemeinsam getragenen Geschichte zusammenzubringen.


Die Gepäckbeförderung experimentiert mit Formen der Vermittlung und stellt Fragen, hört hin und teilt sich mit. Als dokumentarische Prozessbegleitung der »Grandhotel Arbeitsweise« ist sie sich durchaus ihrer eigenen Unzulänglichkeit bewusst und lädt zur Mitgestaltung ein, um Vielschichtigkeiten, Widersprüche und subjektive Wahrheiten der Einzelnen zum Ausdruck zu bringen.


What is the Grandhotel for you? We are interested in your perspective. The »luggage service« is collecting your reflections: scetches, texts, pictures or what else you choose to make visible what bothers you: gepaeck@grandhotel-cosmopolis.org
Wenn du dich mit deiner Perspektive einbringen möchtest, komm mit uns in Kontakt: gepaeck@grandhotel-cosmopolis.org