Subjektiv // Wie wenig Demokratie können wir uns noch leisten oder….

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.…die Illusion der Objektivität in der sozialen Skulptur

Eine soziale Skulptur, in welcher alle beteiligten Menschen die Möglichkeit haben sollen, ihre individuellen Vorstellungen von Zusammenleben, Ökologie, Ökonomie, Liebe etc. in einem intersubjektiven und herrschaftsfreien Austausch kreativ und selbstbestimmt im Vollzug mit anderen zu gestalten, muss in seinen Handlungsmustern und Kommunikationsstrukturen, im weitesten Sinn in seinen Begriffen, eine Ethik implizit zum Ziel haben. Es erfordert ein heterarchisches Denken, das der Basis und somit Allen ermöglicht an den systemrelevanten Entscheidungen nicht nur zu partizipieren, sondern diese Prozesse auch selbst zu gestalten. Dieser Kommunikations- und Entscheidungsprozess basiert auf einem an der Basis demokratisch ausgehandelten Konsens, dessen Werte auf Emanzipation, Selbstorganisation und Dezentralisation ausgerichtet sein müssen.

Die Schnittstelle hierbei sind alle handelnden Individuen.

Wird dieser Prozess zirkulär verstanden, ist es möglich eine Dynamik zu erreichen, die einen ethisch verantwortungsvollen Austausch ermöglicht und auch künftige Generationen mit einzubeziehen vermag. Es entsteht eine soziale Relation zwischen Ich und Du, zwischen Gegenwart und Zukunft, welche so eine individuelle und gleichzeitig auch gemeinsame Identität entwickeln kann. In dieser Gemeinschaft konstruieren die verschiedenen Menschen ihre Wirklichkeit immer wieder neu, die ihrerseits die Menschen neu hervorbringt.

Identität entwickelt sich sozusagen im Geist durch das Erkennen, im Willen durch das Handeln und durch diesen dialektischen Prozess zur Ethik.

Die verschiedenen Individuen beeinflussen sich demnach gegenseitig, sie perturbieren sich auf konstruktive Weise. Diese kreativen Störungen, provozieren Fragen und veranlassen die Gemeinschaft/soziale Skulptur sich immer wieder neu zu organisieren. Es entsteht eine direkt demokratische Dynamik, die eine selbst erzeugende und selbst erzeugte Ordnung hervorbringt. Dieser Handlungsprozess erfordert somit eine kreative Handlungskontinuität und kann durchaus als Kunst verstanden werden, da sämtliche Bereiche des Zusammenlebens gestaltet werden müssen. Dies kann aber nur in einem gemeinsamen Rahmen geschehen, der den einzelnen Individuen den nötigen Raum lässt, ihre eigenen subjektiven Ideen kreativ einzubringen. Einzelne Individuen von Entscheidungen, welche die soziale Skulptur als Ganzes betreffen, auszuschließen, erleichtert und verkürzt den Entscheidungsprozess immens.

Doch zu welchem Preis ?!

Werden doch die Ausgeschlossenen in ihrer Selbstwirksamkeit nicht nur beschränkt, sondern es entwickelt sich ein psychosoziales Gefüge, welches das Gegenüber nicht anerkennt. Erreicht dieser Prozess eine gewisse Kontinuität so bleiben Verwerfungen im Sozialen nicht aus, ja sie sind geradezu zwangsläufig.

Denn jedes gezeigte Verhalten perturbiert, sowohl den Akteur, als auch das System in dem er sich befindet. Es ist ein Trugschluss zu glauben, wir könnten losgelöst von der Basis Entscheidungen treffen, welche nur den bearbeiteten Sachverhalt betreffen. Vor Allem dann nicht, wenn das Ganze von diesen Entscheidungen betroffen ist. Es fehlt dann die notwendige strukturelle Koppelung, welche die einzelnen Individuen im gegenseitigen Bezug brauchen, um gemeinsam das Soziale zu gestalten.

Jedes einzelne Subjekt muss miteinbezogen werden!

Begreifen wir die soziale Skulptur als raumgreifendes Moment, stellt sich die Frage wie und von wem dieser Raum gestaltet werden kann. Die Gestaltung des Raumes ist immer eine Frage der Selbstwirksamkeit von Subjekten. Wie zugänglich ist der soziale Raum den einzelnen Individuen und inwieweit hat der oder die Einzelne Einfluss zur Mitgestaltung?

Wer kann/darf Künstler sein? Wer kann/muss Betrachter bleiben? In diesem Spannungsfeld ist es zwingend notwendig in allen Bereichen endlich aufs Ganze zu gehen und alle kreativen, politischen und kulturellen Potenziale nicht auszuschöpfen, sondern einzubeziehen! In allen relevanten Prozessen! Subjektiv handeln heißt Verantwortung zu übernehmen!

Es geht um die Skulptur des Sozialen und den individuellen Blick auf das sich intersubjektiv konstruierte, daraus ergebende Wissen. Wissen generiert sich aus den sozialen Erfahrungen und den ihnen inhärenten ethischen Implikationen. Ist der gemeinsame Blick auf diese, vorher bewusst festgelegten, Werte fokussiert wird eine entsprechend soziale Wirklichkeit konstruiert. Diese steht im Widerspruch zu einer vom Sozialen abgewandten Gesellschaft mit ihren ökonomisch rationalisierten Prämissen.

Die Kunst ist es, diese Bedeutungshoheit zu durchbrechen und die Viabilität eines sozialen Gegenentwurfs aufzuzeigen, der sich auf das menschliche Selbst bezieht, welches sich nur im sozialen Kontext Bedeutung schaffen kann. Der Mensch als autopoetisches, selbstreferenzielles Individuum stößt somit immer dann an seine Grenzen, wenn seine eigene Selbsterhaltung basierend auf Liebe mit einer herrschenden, meist äußeren Ordnung kollidiert. Die Betonung der Augenhöhe ist im Sozialen eigentlich schon ein Affront an einen geneigten Rezipienten, da diese Augenhöhe nicht als Normalität verortet ist, sondern als Gegenentwurf. Das Menschliche musste somit erst zur Kunstform erhoben werden, um sich wieder Gehör zu verschaffen in einer für das Soziale immer noch blinden Gesellschaft.

Soziale Skulptur muss somit ein Ort sein, der es nicht nur ermöglicht menschliche Erfahrungen zu machen, sondern der es auf Grund seines sozialen Fokus einfordert, diese Erfahrungen im gegenseitigen Austausch auch zu reflektieren und zu verfeinern, somit hermeneutisch auf ein höheres Niveau zu heben. Schafft es die soziale Skulptur Grandhotel, sich, obwohl sie sich darin explizit verhält, von einem migrantischen Kontext zu befreien, liegt nur noch das Menschliche im gemeinsamen Blick und lässt jedwede nationale Kategorien hinter sich, die meist in einer medial, profitorientierten Wahrnehmung ihren Ausdruck finden.

Das sozial Wesentliche rückt ins Bewusstsein.

Dies beinhaltet die Unabhängigkeit von einer fremdbedeuteten Realität, hin zu einer selbstgestalteten Sozialität die nicht durch eine ökonomische Matrix entfremdet und gesteuert wird, sondern in freien, sozialen Assoziationen gründet. Die wirklich relevante Kategorie, auf die es sich zu beziehen gilt, heißt:

“ Mensch“.

Diese muss unabhängig vom Ökonomischen, Nationalen und auch Territorialen gedacht und wahrgenommen werden, nur dann kann sie im gegenseitigen Austausch das Menschliche entfalten. Dieser intersubjektiv und interkulturell gestaltete Raum, in welchem sich Alter und Ego zu einer gemeinsamen Identität entwickeln, ist und muss unabhängig sein von staatlicher Legitimation.

Welcher Staat könnte das Menschliche legitimieren.

Sich selbst unabhängig machen von gesellschaftlich geprägten und ideologisch überformten Interpretationen, um sich einer Sprache zu bemächtigen, die spürbar das Ich im Du erkennen lässt.

Hat diese Konstruktion, hat die soziale Skulptur gesellschaftliche Relevanz? Diese Frage zu stellen würde bedeuten das Menschliche in Frage zu stellen.

Hat sie politische Wirkkraft ist eine komplett andere Frage, die zu beantworten jedem Selbst überlassen ist.

Mit den Worten von Robert Rehfeld

Sei Kunst im Getriebe!

In diesem Sinne

Unterm Pflaster liegt der Strand

M Punkt