Wilde 13 // Sea-Watch in Seenot

Wie teilt man einen solchen Aufruf wie diesen hier? Einen Hilferuf aus einer Weltgegend, die seit Jahrtausenden europäische Geschichte bestimmt hat. In den letzten Jahren fiel sie in den Nachrichten durch abstrakte Zahlen und Horrormeldungen auf.
Der Hilferuf stammt von den Leuten, die seit 2015 mit ihrem kleinen Schiff „Sea-Watch“ im Mittelmeer Menschenleben retten. Viel Kritik wird mittlerweile an ihnen geübt, anfangs nur von ganz rechts, mittlerweile sogar in der Süddeutschen Zeitung, wenn auch – natürlich – in abwägender, rationaler Form.
Die Kritik lautet, die unabhängigen Hilfsmissionen würden das Geschäft von kriminellen Schleusern unterstützen, die nun ihre Kunden, die Geflüchteten, in immer schlechter ausgestattete Schlauchboote setzen können, weil eine Rettung durch Hilfsmissionen wie die der „Sea-Watch“ mit ins Kalkül gezogen wird.

Diese Kritik unterschätzt, dass wir durch unsere Zugehörigkeit zu einer Wertegemeinschaft verpflichtet sind, unserem Nächsten zu helfen, wenn dieser tatsächlich hilfebedürftig ist. Menschen begeben sich nicht aus Spaß in die schreckliche Ungewissheit einer solchen Überfahrt.
Es ist nicht zutreffend, dass „ganz Afrika“ nach Europa flüchten möchte, wovon nicht erst seit dem vorläufigen Höhepunkt der sogenannten „Flüchtlingskrise“ im letzten Jahr die Rede an den Stammtischen und in den Wohnzimmern ist. Inzwischen sind die Stammtische und viele Wohnzimmergespräche durch die Netzwerke im großen sozialen Netz ersetzt, aber viele Leute sprechen immer noch so, als gebe es keine Alternative zur Abschottung. Sie ignorieren die ursächliche Verbindung zwischen der Migration der Handelsware und der der Menschen.

Es gibt überall auf der Erde so viele gute Initiativen, die alle am gleichen Strang ziehen, zum Beispiel Kindern zu einer guten Persönlichkeitsentwicklung zu verhelfen, damit sie selbstständig denkende, sozial handelnde Erwachsene werden. Nur – es ist viel einfacher, sich mit einem aufgeblasenen Problem zu beschäftigen, das sich aus gegenseitig versicherter Xenophobie und diffusen Zukunftsängsten speist.

Wer sich ein wenig abseits der tagespolitisch orientierten mitteleuropäischen Presse informiert und vielleicht zwei, drei Blicke in die Geschichte wirft, wird kein Endzeitszenario, keine akute Bedrohungslage für das viel zitierte, aber kaum einheitlich zu greifende Abendland erkennen können.

Wir sehen Menschen in Not. Andere Menschen versuchen aktiv zu helfen. Sie geraten immer mehr ins gesellschaftliche Abseits, werden von staatlichen Stellen vermehrt in Misskredit gebracht, weil das die einfache Lösung zu sein scheint, um die Aufmerksamkeit vom massenhaften Tod in Not abzulenken.

Kompliziert und emotional wird es stets, wenn man versucht, die Mechanismen der derzeitigen Weltlage zu beleuchten. Wieweit ein eritreischer, ein afghanischer, ein senegalesischer, ein syrischer Geflüchteter für die eigene (Not-)Situation selber verantwortlich ist, sollten wir aus unserer Luxussituation heraus nicht versuchen zu beantworten. Ob jemand Anspruch auf Asyl hat, wie es in den einzelnen europäischen Ländern gesetzlich geregelt (und ständig verschärft) wird, wird nicht im ionischen Meer geklärt. Das wird an Land geklärt. Das ist ein ganz anderes Thema.

Das Thema, um das er hier geht, heißt SEE-NOT-RETTUNG. Ich habe es absichtlich groß geschrieben, weil es die Reaktion auf eine Notsituation beschreibt, die unter zivilisierten Menschen nicht diskutiert werden darf.

Nun ist die Sea-Watch in Seenot und wir müssen ihr helfen. Bitte teilt diesen Aufruf und unterstützt Sea-Watch:

-> Kontaktiert Eure Bundestags- und Europaabgeordneten (Liste siehe weiter unten)
-> Schreibt und telefoniert das Verteidigungsministerium an (siehe unten)
-> Teilt den Beitrag von Sea-Watch und bittet Eure Freund*innen ebenfalls um Unterstützung.

Stef Maldener
Wilde 13 im Grandhotel

Klick: Der Link zu Sea-Watch auf Facebook

Der Hilferuf im Original:

„Liebe Freund*innen von Sea-Watch, wir brauchen jetzt ganz dringend Eure
Unterstützung! WERDET AKTIV! Lasst uns nicht allein!

Unsere Crew auf der Sea-Watch 2 ist die letzten Tage an ihre Grenzen
gegangen. Mit einem alten Boot, mit einer freiwilligen Besatzung und
allein gelassen vor den Toren Europas. Mit wenig Schlaf haben wir Tag
und Nacht Menschenleben gerettet, medizinische Notfälle versorgt und
Tote geborgen. Unser Boot ist 32 m lang, es sollten sich nicht mehr als
100 Leute an Bord aufhalten. Gestern war unser Boot mit 500 Menschen
völlig überladen, unsere Vorräte sind alle, wir sind am Ende unserer Kräfte.

Heute früh waren wir erneut an zwei Rettungsaktionen beteiligt. Obwohl
die Crew schon über ihr Limit gegangen ist, haben wir geholfen und
gerettet – gegen das Versprechen, dass ein Boot von der
Rettungsleitstelle in Rom (MRCC) geschickt wird. Diese Versprechen wurde
gebrochen. Wir sind wieder alleine: 246 Menschen an Bord, ohne Essen,
ohne Decken und am Ende unsere Kräfte.

Wir bitten alle unsere Freund*innen: WERDET AKTIV! Lasst uns nicht allein!
-> Kontaktiert Eure Bundestags- und Europaabgeordneten.
-> Schreibt und telefoniert das Verteidigungsministerium an. In der Nähe
ist ein Kriegsschiff, das nicht mit uns redet.
-> Teilt diesen Beitrag und bittet Eure Freund*innen ebenfalls um
Unterstützung.

Warum schaut Europa weg? WIR BRAUCHEN UNTERSTÜTZUNG!!!!! SOFORT!!!!!!

Axel Grafmanns, Geschäftsführer Sea-Watch

-> Liste aller Bundestagsabgeordneter: https://www.bundestag.de/abgeordnete18/

-> Liste der deutschen Europa-Abgeordneten: http://ow.ly/K3mx30d3g4W

-> Verteidigungsministerium: http://ow.ly/ejVR30d2WkI