Die Wirtschaft ist im Keller – Was isst die Soziale Plastik?

Fehlt da noch Salz, Omar?


Nein, das ist genug Salz.


Was denkst du Ahmed?


Da muss noch mehr Salz rein.

Seit drei Jahren arbeiten wir intensiv am Gesamtkunstwerk »Grandhotel Cosmopolis«. Innehalten und Betrachten, kommt im bunten Treiben, in der Fülle der Aufgaben und im Tagesgeschäft der Hoteliers an vielen Stellen zu kurz. Was schaffen wir hier? Dieses Jahr wollen wir nutzen, um die 2011 losgetretenen Prozesse aufzuarbeiten, zu begreifen und Neues wachsen zu lassen.

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Wir wollen das konsequente Weiterbauen an einer gesunden Gemeinschaft sichtbar machen und dabei an dem ansetzen, was uns über verschiedene Grenzen hinaus miteinander verbindet:
Essen ist etwas, das wir alle zusammen erleben können. Anbei findet ihr ein paar Einblicke und Reflexionen aus der Arbeitswoche 26. – 30. Januar:
Die Wirtschaft ist im Keller – Was isst die soziale Plastik?

Omar, Ahmed, Elli, Kalle, Lena-Marie, Vera, Markus, Bianca, Georg, Olivia, Simon, Sibil, Pouya, Lena, Reza, Jutta, Marc und Bernd teilen sich zwar kein Zimmer im 2.Stock aber in den nächsten vier Arbeitstagen die Küche im Keller: hier entsteht ein anderer Raum zwischen uns. Sibil kommt mit Rollkoffer aus Berlin an, Markus hat sich extra freigenommen, Jutta hängt Zettel an die Wand, alle wollen in der ersten Arbeitswoche für die Wirtschaft präsent sein. Unterschiedliche Fragen treiben uns an, hier zu sein, aber was uns gleichermaßen besonders beschäftigt: Warum sind keine Hausbewohner*innen anwesend? Wie kann aus dem Mittagstisch für Hoteliers eine WIRTSCHAFT FÜR ALLE werden?

Kuechenworkshop_panoramawir reden seit stunden in der gruppe.
lass uns jetzt einfach aufhören und zusammen kochen. und alle einladen!

elli war auf dem markt und hat lebensmittel geholt, die im müll gelandet wären.
der tisch ist voll mit gemüse.

pouya will reis zubereiten. und salat mit minze. und chutney aus grünen tomaten.
es sind nicht die richtigen grünen tomaten, die er braucht für sein rezept.
aber immerhin grüne tomaten.

was machen wir mit den vielen gurken?
komm, ich mache eine sosse daraus.
eine gurkensosse?! kalt?
nein, warm! ein afghanisches gurken-gulasch.
das kenne ich nicht. das musst du kochen.
ich kenne es auch nicht. wir erfinden das jetzt einfach.

Warum wir gekommen sind – die Ideen sind verschieden.
Wollen wir wirklich immer noch über Integration sprechen?

Ich vertrage das, was meistens gekocht wird, nicht.
Wir wissen nicht was gekocht wird und haben die Befürchtung, dass es Schweinefleisch enthält.
Lädt dieses Glockenl
äuten jeden Mittag eigentlich auch uns ein?

Wie können wir eine wirkliche Gemeinschaft werden? Wir stellen Fragen, sprechen über Grenzen des Einbezugs, nicht über die der eigenen Arbeitskraft. Später stellen wir fest: wir brauchen Pausen. Wir überwinden Unsicherheiten, entwerfen und drucken einen Flyer. Einige gehen los und laden alle zum gemeinsamen Abendessen ein!

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tanz

heute gibt es ein fest.
alle springen durch die küche.
kleine köstlichkeiten entstehen.
bunt, scharf, sauer, süss.

die tanzgruppe probt.
ein hund geht durch den raum.
ein mädchen, das angst vor dem hund hat, nimmt meine hand.

im nebenraum kleidet sich die tanzgruppe ein.
es geht los!
der tanz ist stark, offen, schnell, freudig, traurig, tief.
mutter und tochter führen die gruppe an.

wie toll die tochter mit der mutter tanzt!
in deutschland sagt man: der apfel fällt nicht weit vom stamm.
im irak sagt man: sohn von ente kann schwimmen.

dann ist das büffet eröffnet.
wir essen, trinken, lachen.
in afghanistan sagt man: lachen ist das salz vom leben.

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Tags drauf: Lena, Kalle, Anna und Markus planen schon wieder den Einkauf beim Großhandel und Biogemüsebauern für die nächsten Tage, der Filmabend zeigt »Everyday Rebellion« und braucht Popcorn, die Gäste eines Greenpeace Seminars veganen Eintopf und der Brecht Abend Fingerfood. Sibil verändert gerade ihre Arbeitsstruktur in Berlin. Im Februar und im März wird sie den Prozess in zwei intensiven Arbeitsphasen weiter mitbegleiten…