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Innen / Außen

von Peter Weismann

innen_aussen2b»Sorgfältig prüf ich
Meinen Plan, er ist
Groß genug, er ist
Unverwirklichbar.«

Treffender als in diesem Vierzeiler von Bertolt Brecht lässt sich mein erster Eindruck Anfang 2012 von der »Sozialen Skulptur Grandhotel« nicht ausdrücken. Ich war bezaubert von den offenen, freundlichen Menschen, die ich antraf, fasziniert von ihrem bedingungslosen Engagement und überzeugt von dem Vorhaben.

Dass der Plan selbst für das Stadtbauamt in Augsburg »groß genug« war, erlebte ich verwundert, als sich sein Leiter bei der Übergabe der Genehmigung zur Umnutzung des Gebäudes dafür bedankte, dass das Vorhaben, das er zunächst für utopisch, also gänzlich unmöglich gehalten hatte, möglich wurde, weil sich in der Auseinandersetzung Spielräume in den Vorschriften auftaten, die von den Gewohnheiten in solchen Verfahren verschüttet worden waren. Die persönliche Offenheit mit der der Beamte von einem Gewinn für sich und sein Amt sprach, berührte mich und lieferte mir den Ausgangspunkt für meine Installation »Innen/Außen«: ein Mensch geht durch die Wand, verlässt einen scheinbar eindeutig definierten Bereich, wagt sich ins Unbekannte, überschreitet eine Grenze, hinter der sich ein Abgrund oder ein freier, offener Raum auftun kann. Immer ein Risiko. Wände schützen und beengen zugleich. Im Abgrund ist der Grund aufgehoben, im Unbekannten liegt das Bekannte. Es gibt keine Grenzen, es gibt nur Passagen zwischen dem Innen und dem Außen. In der Zukunft liegt die Vergangenheit der Gegenwart.

Wer sich Europa als eine »Festung« wünscht, der ist im Gestern eingemauert, der hat sich in seinem Denken und Fühlen eingegrenzt und die Passage zu sich selber und in die Gegenwart nicht angetreten. Die Installation ist dem Mut des Reisenden gewidmet, Gewohnheiten in Frage zu stellen und sich auf das Fremde einzulassen. »Fremd«, sagt Karl Valentin, »ist der Fremde nur in der Fremde.«