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Spiegelzimmer

von Christofer Kochs

Spiegelzimmer

Die Konzeption meines Spiegelraums basiert auf der Vorstellung, einen Ort zu schaffen, der auf das Haus und seine Bestimmung eingeht. Fragen wie Ankommen und Weiterziehen, Sein und Werden, in der Gruppe oder alleine, bilden den inhaltlichen Kanon der Gestaltung.

Ausgehend von der Tradition alter Grandhotels mit aufwendig gestalteten Spiegelsälen, wollte ich für das Grandhotel Cosmopolis ebenfalls einen Spiegelraum schaffen. Grundsätzlich ging es mir um die Wirkung eines verspiegelten Raumes, der das Licht ins Gebäude holt, den Raum weitet und den Bewohner des Zimmer zumindest in Umrissen wiederscheinen lässt – im wahrsten Sinne ein Raum der Reflektion. Entscheidend war jedoch, diese Wirkung mittels einfacher und armer Materialien zu erzielen.

Ein mit Aluminium beschichtetes Papier, dass gerne zum Warmhalten von Speisen verwendet wird und wir als Wegwerfprodukt gebrauchen, gab mir die Möglichkeit, den Raum matt zu verspiegeln. Darüber hinaus sind zwei Spiegelzeichnungen aus der Serie AUSLÖSER gehängt. Diese Arbeiten sind nur partiell »durchschaubar« – der Betrachter taucht selbst im Bild auf – das Bild schaut förmlich zurück.

Die AUSLÖSER suchen einen offensiven Umgang mit dem Betrachter – sie fragen zurück und bieten durch ihre eher kühle und glatte Oberfläche keinen materiellen Reiz – ihre Geschichte beginnt scheinbar hinter dem Bild.

Eine Fluchtszene ist zu sehen – Männer laufen durch den Wald, schemenhaft tauchen sie in der Bildmitte auf, und nur hier schaut der Betrachter durch den Spiegel auf den Bildgrund.

Ist es ein fliehen oder ein nach Hause kommen?

In der anderen Spiegelzeichnung reflektiert nur die Figur, als stelle sie dem Betrachter die Frage seiner Herkunft und nicht umgekehrt.

In der Untermalung ist eine Art abstrahierter Fingerabdruck zu sehen. Die Identität bleibt offen, sie gilt es zu definieren – je nachdem, wer vor dem Bild steht. Abgeschlossen wird der Spiegelraum durch vier dreh- und schwenkbare Spiegel, in die auf Voder- und Rückseite folgende Sätze eingraviert wurden:

YOU ARE THE ONE (unverzerrter, normaler Spiegel) und BUT NOT THE ONLY (Lupenspiegel).

Diese Arbeit steht im Kontext mit dem Credo des Hauses – ein Ort für den Freiraum des Einzelnen, jedoch immer in Verbindung mit der Gemeinschaft – letztendlich eines der Grundprinzipien des Grandhotels Cosmopolis.